Vita

Über meine Malerei



Vita

1959 in Hamburg geboren

1980 Abschluss an der Fachoberschule für Gestaltung /Fachrichtung Grafik

1981 Längerer Aufenthalt in Indien

Handwerkliche Ausbildung zur Schneiderin

1985 Beginn des Studiums an der Freien Kunststudienstätte Ottersberg

1986 bis 1989 Aufenthalt in Portugal und Beteiligung an einem Projekt zur alternativen Lebensgestaltung

1993 Diplom zur Kunsttherapeutin/ Kunstpädagogin

Mitglied des bbk Bremen



Ausstellungen:
(ab 2007)

2017 "gelegt, geformtg, gefaltet", Ausstellung in der Galerie im Moor, Grasberg

2016 Gewinnerin des Verdener Kunstpreises der 30. Verdener Kunstbörse, gemeinsam mit Petra Seydel"

2015 Gemeinschaftsausstellung in der "kleine galerie eichenbergerstraße"

2015 Teilnahme an der "Nordart", Rendsburg/ Büdelsdorf

2014 "Vier Positionen Schwarz" Ausstellung in der "kleine galerie eichenbergerstraße"

2014 Ausstellung Rathausgalerie Verden

2013 Gewinnerin des Publikumspreises der Verdener Kunstbörse

2013 "Farbstoff", Ausstellung bei Bösner in Hannover

2012 Ausstellung Hake-Meyer, Rotenburg

2012 Ausstellung Rathausgalerie Verden

2012 "Das Gras wachsen sehen" Ausstellung bei "boesner" Bremen

2011 Ausstellung in der Ahauser Kirche im Rahmen des "Ahauser Herbst"

2011 Gewinnerin des Publikumspreises der Verdener Kunstbörse

2010, 2011, 2012, 2013, 2014, 2015 und 2016 Teilnahme an der Verdener Kunstbörse

2010 Ausstellung DOKU Bremen-Blumenthal

Seit 2009 Ausstellung Zentrum für Strahlentherapie, Ärztehaus am Diako, Bremen/Gröpelingen

2008 Ausstellung: "kleine galerie eichenbergerstraße"

2008 Ausstellung MGFH Waffensen

2008, 2010, 2011, 2012 und 2014 Teilnahme an der "Kunstprovinz/Provinszkunst" Sottrum

2007 und 2009 Teilnahme an den Ausstellungen der Artothek Ottersberg

Publikationen

In "Kunstwelten", 2012, Hrsg.: Boesner GmbH Holding.

Ausstellungskatalog Nordart 2015.

2016 Katalog: Farbstoff und Malgrund.



nach oben


nach oben Zu den Bildern



Tine Pockels und die Entdeckung der Stofflichkeit


Man könnte meinen, Tine Pockels sei eine Malerin des Realismus. Doch schon allein der Begriff "Realismus" ist weder inhaltlich noch formal eindeutig zu klassifizieren. Bedeutet das etwa ein naturalistisches Abbild von Gesehenem? Oder ist es vielmehr das, was hinter den Dingen steht, und damit eine gesellschaftliche Wirklichkeit widerspiegelt und sie erhöht? Die Realismus-Debatte flammt immer wieder auf, gerade in der heutigen Zeit, in der jene Kunst, die sich am Realen orientiert bei vielen Kunstkritikern oft nur ein Naserümpfen erzeugt. Eine Widerspiegelung von Sujets in der Malerei entfernt sich zwangsläufig von der Realität. Jede Malerei kann nur ausschnitthaft das wiedergeben, was dem Künstler wichtig erscheint. Gesellschaftliche Hintergründe und das räumliche Umfeld können nur bedingt in jegliche Kunst einfließen. Vor diesem Hintergrund könnte man die Kunst von Tine Pockels eher als "abstrakt" bezeichnen, da sie über die ungewöhnliche Wahl von Ausschnitten und Hintergründen ein Maß von Verfremdung erreicht, die sich den Interpretationsgewohnheiten des Betrachters weitgehend entziehen. Ihre Malerei wird auf sich selbst zurückgeworfen, indem sie nicht nach den tieferen Wahrheitsgehalt ihres Inhalts fragt, sondern die unterschiedlichen Möglichkeiten der malerischen Qualität einer altmeisterlichen Feinmalerei unter Beweis stellt. Tine Pockels gekonnte Wiedergabe von Stofflichkeit erinnert an die niederländische Malerei eines Caspar Netscher oder Gerard Terborch. Doch der kostbare Taft- und Seidenstoff der holländischen Genremaler wechselt bei ihr zu "einfachen" Stoffen wie Cellophan, Frottee oder Rohleinen, deren Strukturen und Reflexionen auf den Stofffaltungen von ihr meisterhaft in Szene gesetzt werden und durch ein Stillleben-artiges hinzufügen von Pflanzenteilen, Dreifachsteckern, Heizungsrohren oder Schuhen nahezu absurde kreative Dialoge erzeugt. Ihre neueren Bilder gehen noch einen Schritt weiter, indem sie als Malgrund Geschirrhandtuch, Rohleinen und Stoffrest benutzt, um auf ihnen das Gleiche malerisch exakt zu zitieren, nun aber scheinbar achtlos geknautscht, gefaltet oder einfach hingeworfen. Also ein Quodlibet oder eine Trompe-l'il-Malerei? Eine Malerei, die das Auge des Betrachters zu täuschen sucht? Tine Pockels liegt der Wille zum täuschen des Auges fern, ist eine Analytikerin, die das materielle Wesen von Dingen ergründet, indem sie wie mit dem Brennglas ihre Struktur, ihren Mikrokosmos malerisch auslotet oder das Zusammenspiel von Material, Form, Farbe und Licht in immer neuen Varianten zum Klingen bringt.
Chris Steinbrecher


nach oben